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Verena Schwarz 20.07.2016

 

                                 Mag.a Verena Schwarz

Praxis für Kinesiologie:

www.verena-schwarz.at

 

Was uns nicht umbringt…

Lebenskrisen als Motor der Transformation

 

Schock, Bestürzung, soziale Isolierung, Unsicherheit und Angst vor dem Tod. Das und mehr taucht in uns auf, sobald wir mit dem Thema Krebs konfrontiert werden. Aber gibt es auch die Chance für persönliches Wachstum?

Dieser Frage bin ich im Rahmen meiner Diplomarbeit für das Fach Soziologie nachgegangen. Der Titel der Studie: „Krankheitsbewältigung, soziale Unterstützung und posttraumatische Reifung am Beispiel von Brustkrebspatientinnen“. Die Befragung wurde im Frühling 2015 in Form von persönlichen, offenen Interviews unter Mithilfe der Selbsthilfegruppe „LEBE! mit Diagnose Brustkrebs“ durchgeführt. Ziel der Untersuchung war unter anderem, herauszufinden, inwieweit es zu einer so genannten posttraumatischen Reifung (auch posttraumatisches Wachstum genannt) kommt.

 

Was ist posttraumatische Reifung?

Eine traumatische Erfahrung kann sowohl psychisches und emotionales Leid als auch wertvolle Entwicklungen mit sich bringen. Schicksalsschläge sind oft ein Wendepunkt im Leben und setzen einen Verwandlungsprozess in Gang.

 

Posttraumatische Reifung bezeichnet also positive Veränderungen, die nicht als Teil einer natürlichen Entwicklung auftreten, sondern Folge von Bewältigungsprozessen krisenhafter Lebensereignisse sind. Die Betroffenen erholen sich nicht nur von den Belastungen, sondern wachsen sogar darüber hinaus.

 

Besonders Krebs ist eine große Herausforderung, die auch eine Chance für Wachstum nach der Erkrankung bieten kann. Lebensqualität kann auch dann erlangt werden, wenn die Krankheit chronisch ist und eine Nicht-Heilung des Körpers kann dennoch von einer Heilung der Seele begleitet sein.

 

Häufig kommt es durch die Bewältigung einer Krebserkrankung zu einer intensivierten Wertschätzung des Lebens und zur Veränderung von Prioritäten. Es verändert sich die Sichtweise darauf, was im Leben wesentlich ist und es wird nichts mehr als selbstverständlich betrachtet.

 

„Dass man eigentlich dankbar ist, dass man das alles noch erleben darf. Man erlebt eigentlich alles bewusster. Man ist dann nicht mehr so oberflächlich. Darum, jede Krankheit eröffnet einem irgendeine andere Chance. Man muss es einfach sehen können.“

 

Besonders häufig kommt es zur Intensivierung persönlicher Beziehungen. Es entsteht größere Nähe und ein Zusammenwachsen. Beziehungen werden neu entdeckt und nicht mehr als selbstverständlich angesehen.

 

„Ich meine, das kann anders auch ausgehen, dass da eine Familie zerbricht oder wie auch immer. Im Gegenteil, es hat uns einfach mehr zusammengeschweißt.“

 

Manche Beziehungen brechen jedoch ab und es kommt auch zu einer Distanzierung von bestimmten Menschen.

 

Die betroffenen Frauen erzählen, dass sie offener und mitfühlender geworden sind und Gefühle eher ausdrücken als sie das vor der Erkrankung konnten. Manche berichten, dass sie bei neuen Freundschaften sorgfältiger auswählen, mit wem sie sich anfreunden wollen und mit wem nicht.

 

Den Betroffenen wird ihre eigene Stärke bewusst und sie entdecken, welche Ressourcen ihnen zur Verfügung stehen. Sie entwickeln im Laufe der Krankheitsbewältigung ein größeres Selbstbewusstsein und fühlen sich Krisen besser gewachsen. Sie lassen sich von anderen nicht mehr runterziehen, achten auf ihre Grenzen und stehen für sich ein.

 

„Einfach so auf die Füße stellen. Und wenn ich weiß, da stimmt was nicht, dann setze ich mich da einfach so ein, dass ich zu dem Ziel komme, damit man wirklich weiß was jetzt Sache ist.“

 

Eine weitere positive Entwicklung ist, dass man neue Möglichkeiten entdeckt und intensiver reflektiert, was man im Leben ändern möchte. Chanen und Gelegenheiten, die sich bieten, werden viel eher genutzt, als vor der Erkrankung. Beispielsweise kommt es zu beruflichen Veränderungen und sozialem Engagement, wie zum Beispiel ehrenamtlichen Tätigkeiten. Häufig stellen die befragten Frauen auch ihre Ernährung um, machen vermehrt Sport und nehmen neue Hobbies auf.

 

„Irgendwann war für mich bald nachher klar, das ist nicht mehr so ganz das Meine. Ich möchte eigentlich was anderes machen im Leben. Und hab eben dann ganz viele verschiedene Ausbildungen gemacht, im Sozialbereich, im energetischen Bereich. Also, ja, ich hab mich einfach ein bisschen anders orientiert. Das hat mir gut getan.“

 

Einige Frauen haben begonnen, sich für spirituelle und esoterische Themen zu interessieren. Was sich verändert hat ist in dieser Hinsicht die Intensität des Lebens und es wird über ein tieferes spirituelles Bewusstsein berichtet. Eine Betroffene erzählt von ihrer aktiveren Tätigkeit in der Kirche seit der Erkrankung.

 

„[…] viel eher so auf der spirituellen Ebene, also Vertrauen, Loslassen, auch Dinge, die den Glauben betreffen.“

 

Die Chance für persönliches Wachstum

 

Auch wenn wir keine Krise erleiden, können wir uns diese Erkenntnisse zunutze machen.

  • - Wir können anerkennen, dass es keine Sicherheit gibt im Leben und dass alles im Fluss ist.

  • - Wir können unsere Prioritäten überdenken und ändern.

  • - Wir können selbst die Verantwortung für unser Wohlergehen übernehmen, anstatt es äußeren Umständen zuzuschreiben.

  • - Wir können unsere Beziehungen mehr wertschätzen und uns bewusst machen, dass zwischenmenschliche Bindungen mitunter einen der wichtigsten Aspekte unseres Lebens darstellen.

     

    Abschließend möchte ich mich noch einmal bei allen Mitwirkenden, besonders bei den freiwilligen Damen der Selbsthilfegruppe, die ich befragten durfte, ganz herzlich bedanken!

     

 

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